38 Jahre überwacht

((Das Bild ist von Flickr User seven_resist Danke!))
Wer glaubt, dass Menschenrechtler nur in Entwicklungsländern und unter totalitären Regimen permanent überwacht werden, den muss ich leider enttäuschen.
Zitat Heise:

Dr. Rolf Gössner ist Rechtsanwalt, Mitherausgeber des mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichneten Grundrechte-Reports, Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte und Jury-Mitglied bei den Big Brother Awards.

Rolf Gössner wird seit 38 Jahren vom Verfassungsschutz überwacht, oder besser „wurde“ – denn er hat vor kurzem gegen diese Überwachung geklagt und siehe da:

Kurz vor der ersten mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Köln am Donnerstag dieser Woche teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz nun überraschend mit, dass die Beobachtung „nach aktuell erfolgter Prüfung“ eingestellt worden sei. Laut Gössners Anwalt Udo Kauß konnte das Bundesamt für Verfassungsschutz bisher nicht plausibel darlegen „weshalb die geheimdienstliche Beobachtung […] über einen Zeitraum von 38 Jahren zum Schutz der Verfassung notwendig gewesen sein soll“. Damit hat Gössner sein erstes Ziel erreicht, will aber weiterhin gerichtlich auf Einblick in die bisher geschwärzten oder geheim gehaltenen Teile seiner Akten drängen.

Zitat Heise: (Hervorhebungen von mir).

Ich meine jetzt mal im Ernst, die überwachen 38 Jahre nur mal so auf Verdacht und wenn der Überwachte das dann bemerkt und dagegen klagt, dann wird „nach aktuell erfolgter Prüfung“ die Überwachung eingestellt.
Gössner ist auch noch Rechtsanwalt und stellvertretender Richter am Staatsgerichtshof Bremen, da gibt es doch sowas wie das Berufsrecht (Schweigepflicht) und eine vom Grundgesetz her garantierte Unabhängigkeit.

Absolut unverhältnismäßig was sich der Verfassungsschutz da geleistet hat. Ich will gar nicht wissen wie oft so etwas passiert und niemand davon erfährt. (Deswegen finde ich diese Idee des „Bürgeranwalts“ auch so unglaublich gut, der sich für die Rechte von heimlich überwachten Personen einsetzt)

via Gulli und via fefe Danke!

Hack die Politik?

Bei Zeit Online schrieb vor ein paar Tagen Kai Biermann über die Verabschiedung des BKA Gesetzes im Bundestag :Sehenden Auges in den Überwachungsstaat.
Ein Auszug:

Wir sind selbst verantwortlich. Wir alle, die es sehenden Auges haben geschehen lassen. Wir alle, die wir politisch interessiert sind, Nachrichten verfolgen, auf allen möglichen Wegen kommunizieren und diese doch nur nutzen, um zu meckern. Statt etwas zu tun. Demokratie ist die Herrschaft aller, daher sind auch alle schuld, wenn etwas schief geht. Ein komplizierter Weg der politischen Teilhabe, der es dem Einzelnen leicht macht, sich wegzuducken. Der aber auch enorme Möglichkeiten der Einflussnahme birgt. Warum sie nicht nutzen? [….]

Politikmüdigkeit? Vielleicht braucht es nur ein paar neue Begriffe für die altmodisch klingende Teilhabe. Hier wäre einer: Letztlich geht es darum, das System zu hacken, auszuprobieren, was mit ihm möglich ist, was es noch alles kann, wie es besser werden könnte. Also: Hack die Politik!

via Netzpolitik

Meiner Meinung nach ist es nicht gerade einfacher geworden in der Politik mitzumischen, denn was helfen einem Online-Netzwerke, Blogs und Online-Petitionen wenn im Endeffekt die Gesetze von Lobbyarbeitern irgendwelcher Wirtschaftsvertreter (die in den Ministerien angestellt sind) geschrieben werden?
Und hat sich nicht vor allem die Presse in den letzten Jahren sich mit ihrer Kritik an der Regierung sehr zurück gehalten? (vermutlich durch extrem hohen Druck in den Redaktionen, der dank sinkender Auflagen und drängenden Investoren entstanden ist.)

Zum Thema der „neuen Demokratie“ (wenn ich das mal so vorsichtig formulieren darf) schreibt Christian Heller a.k.a. plomlompom: Politikmüdigkeit?
Wieder ein Auszug:

Die Beschleunigung der technologischen Entwicklung versetzt die Welt in eine Dynamik, die nicht mehr durch kollektive Einigung auf neue Stabilzustände, sondern nur noch durch konstante Innovation und Schaffung neuer Freiheitsräume durchlebt werden kann. Es gibt keine Knappheiten mehr, deren Mangel durch Zwang verwaltet, sondern nur noch Überfüllen, die allein in Freiheit gelenkt werden können, wenn das Getriebe nicht explodieren soll.

Ich kann mehr an der Welt verbessern, wenn ich am richtigen internationalen Open-Source-Projekt mitwerkele, als wenn ich mich in irgendwelchen regionalen innerparteilichen Kabalen aufreiben lasse.

Wir müssen den Begriff Demokratie von dem des Nationalstaats entkoppeln. Die Community Deutschland (oder jedes andere Land) soll eine Demokratie ihrer Mitglieder sein, aber das sollte die Mitglieder nicht davon abhalten, daneben auch in Demokratien ganz anderer Communities aufzugehen und zu leben. Wie wäre es mit einer Weltdemokratie der endlos einander überschneidenden Communities?

Irgendwie gefällt mir der Gedanke, auch wenn er uns meiner Meinung nach nicht aus dem Dilemma rausholt in der „normalen Demokratie“ wirklich mitmischen zu können.

Um bei dem Bild des Hackens zu bleiben: Ich glaube die Tools sind noch nicht geschrieben, die Exploits noch nicht gefunden, mit denen man die Politik verändern kann, aber -hell yeah- ich hoffe, dass es bald so weit ist. :pirate:

freies W-LAN


((Das Bild ist von Flickr-User Nokolas Nova))
Ich hatte heute an der Universität eine Begegnung einer etwas anderen Art.
Während die einen darüber Diskutieren welche Verschlüsselungsart bei W-LAN noch sicher ist (glaubt man den aktuellen Meldungen ist es nur noch WPA2 ), scheinen andere jegliche Verschlüsselung ihres Funknetzes für überflüssig zu halten.

Weil das Standard Uni-Netz (das natürlich auch eine sichere VPN-Verbindung erlaubt) sich an dieser Stelle als sehr schwach herausstellte, haben sich Kommilitonen von mir in ein anderes nicht verschlüsseltes W-LAN eingeloggt, um wieder Zugang zum Internet zu haben.
Außer meinen Kommilitonen befanden sich noch zwei andere PCs im Netzwerk, weswegen sie mal nachgeschaut haben was die denn für Dateien im Netzwerk freigegeben haben.

Es stellte sich heraus, dass auf dem einem Computer sowohl persönliche Fotos und Videos (von Urlaubsfotos über eine riesige Filmsammlung bis hin zu eigenen Pornos) als auch Kontoauszüge der letzten beiden Jahre zu finden waren. Bei dem anderen PC sah es nicht besser aus.

Ganz ehrlich mir fehlten die Worte, wer so fahrlässig mit seinen Daten umgeht, und jeden im Umkreis von 200 Meter mit einem Computer dazu einlädt sich seine Kontodaten anzuschauen, der ist entweder unglaublich unwissend oder extrem [hier könnte ein hässliches Wort deiner Wahl stehen].

Also hiermit ein Aufruf an alle: Verschlüsselt euer W-LAN mit WPA2, ändert bitte das Standardpasswort eures Routers in ein neues sicheres Passwort. (Und am besten: nutzt Linux)
Hier gibt es eine kleine Anleitung zum sicheren W-LAN